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Gurt 1  
Grundsätzlich gilt immer, besonders auch auf Kurzstrecken:

            Erst gurten, dann starten
   
     
Kinder, die unter zwölf Jahren und kleiner als 1,50 Meter groß sind, müssen immer in geeigneten Kinderrückhaltesystemen mitgenommen werden.

Auch hier gilt:
Kinder bei jeder auch noch so kurzen Strecke immer sichern!

Säuglinge werden - am besten auf dem Rücksitz - in einem gesicherten Babysitz liegend befördert. Wer sein Kind trösten, stillen oder beruhigen möchte, sollte das Auto sicher abstellen und erst dann das Kind aus seinem Sitz nehmen.

Auch Schwangere müssen sich anschnallen. Dabei sollte der Gurt nicht über den Bauch geführt werden. Der Schultergurt sollte oberhalb und seitlich des Bauchs straff anliegen, der Beckengurt möglichst tief unterhalb des Bauchs. Eigens für Schwangere bietet der Fachhandel Gurtsysteme mit speziellem Sitzkissen. Damit wird der Gurt unterhalb des Bauchs entlang geführt und dort mit einer Schlaufe fixiert.

Der Gurt muss immer straff anliegen. Nur dann schützt er im Ernstfall wirksam. Jacken und Mäntel, sowie dicke Pullover am besten ausziehen.
Auch Schmuck oder Krawatten sollten nicht zwischen Körper und Gurt eingeklemmt sein.

Wer einen Unfall hatte, sollte seine Gurte danach in einer Fachwerkstatt überprüfen lassen.

Sind in einem Reisebus Gurte vorhanden, müssen sich Reisende auch hier anschnallen.
 

Technik

Bei Gurten mit einem Aufrollmechanismus muss derselbe bei einem Unfall automatisch und zuverlässig blockieren. Ein immer Verwendung findendes Prinzip ist die Blockierung beim Überschreiten einer bestimmten Entrollbeschleunigung. Üblicherweise hat dabei die Gurtrolle außen einen Zahnkranz, der sich in einem nach innen gerichteten Zahnkranz mit größerem Durchmesser frei dreht. Die Rolle wird mit Federkraft in der Mittellage gehalten und beim Reißen am Gurt von diesem gegen den äußeren Zahnkranz gedrückt und damit blockiert.

Zusätzlich gibt es meist noch einen weiteren Mechanismus, der eine Metallkugel enthält und auf der Schwerkraft und dem Prinzip der Trägheit beruht. Bei starker Schräglage des Fahrzeugs oder großen Beschleunigungen wird die Kugel aus der Ruhelage in einer Mulde getrieben, um über einen Hebelmechanismus die Blockierung auszulösen.

Zum Anlegen des Sicherheitsgurtes, auch Anschnallen genannt, wird das hierfür vorgesehene Endstück des Gurtes meist in ein Gurtschloss eingeführt und rastet dort ein.

 
Folgende Beispiele verdeutlichen die einwirkenden Kräfte bei einem Aufprall:

Schon bei zehn Stundenkilometern müsste ein Erwachsener bei einem Crash eine Wucht abfangen, die fast der Hälfte seines Körpergewichtes entspricht.
Bei Verdoppelung der Geschwindigkeit auf 20 Stundenkilometer vervierfacht sich bereits diese Wucht.
Bei einem Crash mit “nur” 50 Stundenkilometern würde ein nicht gesichertes Kind von fünf bis sechs Jahren etwa mit dem zehnfachen Körpergewicht gegen die Windschutzscheibe geschleudert.
Und wer bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern unangeschnallt auf ein Hindernis prallt, könnte sich ebenso gut von einem 40 Meter hohen Kirchturm stürzen. Auch der Airbag allein reicht als Schutz nicht aus. Zumal er erst bei Crashs aktiviert wird, die bei mindestens 25 Stundenkilometern stattfinden.

Viele Autofahrer scheinen sich dieser Gefahr allerdings gar nicht bewusst zu sein, so die Verkehrswacht.
Auf Autobahnen war jeder dritte tödlich Verunglückte ohne Gurt unterwegs. Dabei sinkt das Risiko für angegurtete Frontpassagiere immerhin um die Hälfte, bei einem Verkehrsunfall getötet, bzw. schwer verletzt zu werden. Nach einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) schnallen sich sieben Prozent der erwachsenen Fahrer und Beifahrer nicht an, auf den Rücksitzen sogar 21 Prozent.
Am häufigsten wird nach dieser Untersuchung im Innerortsverkehr der Gurt verschmäht.

Auch die kleinen Beifahrer werden viel zu selten richtig gesichert.
Nach der BASt-Untersuchung sitzen nahezu die Hälfte der Sechs- bis Zwölfjährigen ohne geeignete Kindersitze im Auto.
Elf Prozent dieser Altersklasse sind überhaupt nicht gesichert.
Selbst vorhandene Kinderrückhaltesysteme werden nicht immer genutzt: Im Land Brandenburg waren 3,3 Prozent der im Jahre 1999 verunglückten Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren nicht in einem Kinderrückhaltesystem gesichert, obwohl dies vorhanden war.



Rechtslage bei Nichtanschnallen

Wer sich nicht anschnallt muss 30 Euro Verwarngeld bezahlen, für ein nicht gesichertes Kind können sogar 40 Euro Strafe anfallen.
Bei einem Unfall gilt außerdem:
Wer verletzt wurde, weil er nicht angeschnallt war, riskiert 30 bis 50 Prozent seines Schadenersatzanspruchs. Wer als Fahrer weitere Fahrgäste mitnimmt, sollte immer dafür sorgen, dass sie sich anschnallen. Bei einem Unfall kann ihn ansonsten ein Mitverschulden treffen.
 

Sicherheitsgurte...

...oder: Die letzte Sekunde Ihres Lebens?


Nehmen wir an, Sie haben wieder einmal 'vergessen' sich im Auto anzuschnallen. Ihr Wagen prallt mit Tempo 80 km/h frontal gegen eine dicke Buche.
Unfallforscher rekonstruieren Ihnen die letzte Sekunde des Lebens.

Der Countdown läuft:

1.0 Sekunden bis zum +Tod
Die Bremsen haben blockiert. Sie sind starr vor Schreck. Instinktiv merken Sie: es gibt kein Ausweichen mehr!

0.9 Sekunden bis zum +Tod
Mit weissen Knöcheln umklammern Sie das Lenkrad. Ohne es zu merken, beissen Sie sich die Lippe blutig.

0.8 Sekunden bis zum +Tod
Noch 30 cm bis zum Baumstamm. Ihre Augen sind zugepresst, Blut spritzt aus der durchbissenen Lippe auf die Kleider.

0.7 Sekunden bis zum +Tod
Die vordere Stossstange und der Kühlergrill werden zermalmt.

0.6 Sekunden bis zum +Tod
Mit 80 km/h rast Ihr Körper nach vorn. Sie wiegen jetzt mehr als drei Tonnen und werden mit über 20-facher Schwerkraft aus dem Sitz gehoben. Ihre Beine brechen in den Kniegelenken.

0.5 Sekunden bis zum +Tod
Ihr Körper lässt sich aus dem Sitz, der Rumpf ist starr aufgerichtet, die gebrochenen Kniegelenke werden knirschend gegen das Armaturenbrett gepresst. Umhüllung und Stahlfassung des Lenkrades biegen sich unter Ihren verkrampften Händen durch.

0.4 Sekunden bis zum +Tod
Die vordersten 60 cm der Motorhaube sind total deformiert. Ihr Körper rast weiter mit 80 km/h. Der Motor -bis zu einer halben Tonne schwer- stösst in den Baum. Zischend entweicht das siedende Wasser aus dem geplatzten Kühler.

0.3 Sekunden bis zum +Tod
Ihre Hände, in Todesangst verkrallt, biegen das Lenkrad fast vertikal durch, die Handgelenke und Unterarme brechen mit mahlenden Geräuschen. Die Knochen durchstossen das Gewebe und treten aus. Durch die andauernde Schwerkraft werden Sie von der Lenksäule durchbohrt. Stahlsplitter dringen in den Brustkorb und reissen Löcher in die Lunge, zerfetzen die inneren Arterien.

0.2 Sekunden bis zum +Tod
Ihre Füsse werden aus den fest verschlossenen Schuhen gerissen. Das Bremspedal bricht ab und das Fahrgestell knickt in der Mitte ein. Bolzen lösen sich und Schrauben reissen ab. Ihr Kopf kracht gegen die Windschutzscheibe. Stirn und Nase werden eingeschlagen und in den Schädel gepresst. Beim Durchdringen der Glasscheibe werden Ihnen beide Ohren abgetrennt.

0.1 Sekunden bis zum +Tod
Das Auto verdreht sich. Die Sitze werden aus den Verankerungen gelöst und schnellen nach vorne. Ihr Brustkorb wird dadurch auf der gesplitterten Lenksäule fixiert. Aus Ihrem Mund schiesst ein dunkler Blutstrahl. Durch den Schock versagt Ihr Herz, es bleibt stehen.

0.0 Sekunden bis zum +Tod
SIE LEBEN NICHT MEHR. Von einer Sekunde zur anderen. Sie haben sich bei niemandem verabschiedet. Alle Verpflichtungen laufen weiter. Es ist nicht für einen Tag, nicht für eine Woche. Es ist für immer. Ausgelöscht.


Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht?

 
Das Leben ist zu schön um so zu Sterben
   
 
     
  Kreisverkehrswacht Vechta e. V. | Bahnhofstraße 9 | 49377 Vechta | Telefon: 04441/943159 | E-Mail: info@verkehrswacht-vechta.de