Überholen

Im Zweifel nie!
Überholen ist ein schwieriges und für den Fahrer komplexes Manöver. Schwierig deshalb, weil gleichzeitig Geschwindigkeiten, Entfernungen und das Leistungsvermögen des eigenen Fahrzeugs einzuschätzen sind. So mancher ist damit überfordert: Die zum Überholen notwendige Strecke -” der Überholweg “- wird unterschätzt. Ein Irrtum, der bei Gegenverkehr tödlich enden kann.

Überholweg und Überholsichtweite
Ein Beispiel:
Um einen Pkw, der mit 80 Stundenkilometern unterwegs ist, mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern zu überholen, benötigt man eine Überholstrecke von 350 Metern. Um aber gefahrlos Überholen zu können, muss die doppelte Strecke einsehbar sein die so genannte -“Überholsichtweite”- in diesem Fall also 700 Meter.

Typische Fehler beim Überholen
Unterschätzung der Geschwindigkeit entgegenkommender Fahrzeuge

Die Geschwindigkeit entgegenkommender Fahrzeuge einzuschätzen, ist schwierig. Ist der Pkw schneller heran als ursprünglich vermutet und reicht der Überholweg nicht mehr, dann hilft nur noch Mut zur Lücke und wenn möglich ab ins Grüne!

Das “Anhängen” an ein überholendes Fahrzeug

Auch dies führt ebenfalls häufig zu kritischen Situationen. Davon ist dringend abzuraten. Denn bei Gegenverkehr kann der erste noch einscheren, für den zweiten aber kann es verdammt knapp werden. Daher niemals einem Überholenden blind hinterherfahren und sich auf dessen Einschätzung des Überholwegs verlassen, sondern den Vorausfahrenden allein überholen lassen. Ist dessen Überholvorgang abgeschlossen, prüfen, ob die Straße frei ist und erst dann gefahrlos den eigenen Überholvorgang beginnen.

Provozieren von Überholmanövern vor Bahnübergängen

Um unnötige Überholvorgänge zu vermeiden, müssen langsamere Fahrzeuge und Lkw vor Bahnübergängen an der letzten Bake, das heißt 80 Meter vor der geschlossenen Schranke, anhalten und schnellere Fahrzeuge vorziehen lassen.

Andere lassen nicht genug Platz zum Einscheren

Überholen Überholen Überholen

Gefährlich kann das Überholen auch deshalb sein, weil andere Fahrzeuge nicht immer Platz zum Einscheren lassen, geschweige denn den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einhalten und Stoßstange an Stoßstange fahren. Stellt der Fahrer beim Überholen fest, dass die Lücke zum Einscheren zu klein ist, muss er den Überholvorgang bei Gegenverkehr unbedingt abbrechen.

Fehler beim Überholen führen häufig zu Verkehrsunfällen mit entgegenkommenden Fahrzeugen. Das Resultat liegt auf der Hand: Die Aufprallenergien im Begegnungsverkehr sind so erheblich, dass es unter den beteiligten Verkehrsteilnehmern häufig zu schweren Personenschäden kommt.

Bei der inzwischen auf unserem Straßennetz festzustellenden Verkehrsdichte sind Überholvorgänge nicht immer mit schnellerem Vorwärtskommen verbunden. Denn nach einem Überholvorgang müssen Sie sich häufig wieder hinter einem anderen Vorausfahrenden einreihen.

Überholen ist ein komplexer Vorgang mit vielen Faktoren, die vom Überholer und vom Überholten berücksichtigt werden müssen. Fehlerfreies und gefahrloses Überholen erfordert daher viel Erfahrung.

Deshalb unsere Tipps:
Reicht die Überholstrecke aus?
Beim geringsten Zweifel sollten Sie aufs Überholen verzichten. Überholen Sie nur, wenn Sie absolut sicher sind, den Überholvorgang gefahrlos abschließen zu können. Die Sichtstrecke muss ausreichend und jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen sein.
Denken Sie daran: Entgegenkommende fahren auch - deshalb steht als Überholstrecke maximal die halbe Sichtstrecke zur Verfügung.

·Bei großem Zweifel niemals Überholen!

  • vor unübersichtlichen Stellen, vor Kurven oder Kuppen
  • bei schlechter Sicht, Nebel, Regen oder Schneefall
  • bei schlechter Fahrbahn durch Glatteis, Schnee,
  • Aquaplaninggefahr
  • bei unklarer Verkehrslage, wenn Sie nicht wissen,
  • wie sich der Vorausfahrende oder der Nachfolgende
  • verhalten wird, wenn etwa Zweifel über vorhandene
  • Lücken zum Wiedereinordnen bestehen oder der Vorausfahrende links blinkt (biegt er ab oder überholt
  • er selbst?) oder wenn auf der Überholstrecke mit einmündendem Verkehr zu rechnen ist
  • wenn es durch Verkehrszeichen verboten ist (Überholverbot)
  • wenn Sie zum Überholen eine durchgezogene Linie oder eine Sperrfläche überqueren oder berühren müssen
  • einen vorausfahrenden Linien- und Schulbus, der mit
  • eingeschaltetem Warnblinklicht eine Haltestelle anfährt.
  • Geschwindigkeit?
    Ihre Geschwindigkeit beim Überholvorgang muss wesentlich höher als die des zu Überholenden sein. Bedenken Sie:
    Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit darf dabei nicht überschritten werden.

    Es kann etwas folgen!

    Den nachfolgenden Verkehr nicht vergessen; denn auch er könnte gerade zum Überholen ansetzen. Eine Gefährdung ausschließen, Blick nach hinten - Schulterblick. Seitenabstand einhalten!

    Halten Sie - nicht nur bei Zweiradfahrern - seitlich sicherheitshalber etwas mehr Abstand ein.

    Überholen Sie nicht, wenn kein Platz für ausreichenden Seitenabstand da ist.

    Schneiden verboten!

    Beim Wiedereinordnen den Überholten nicht schneiden oder behindern.

    Blinken!

    Das Aus- und Einscheren ist rechtzeitig und deutlich mit dem Blinker anzukündigen. Ihre Absicht zu erkennen ist für den nachfolgenden Verkehr und den zu Überholenden wichtig.

    Überholen lassen!

    Überholt zu werden ist keine Niederlage. Erhöhen Sie als Überholter nicht Ihr Tempo und fahren Sie möglichst weit rechts. Warum ärgern? Der andere hat's offensichtlich eiliger. Ebenfalls nicht vergessen: NACHTS abblenden, damit der Überholer beim Wiedereinscheren nicht geblendet wird.

    Zeigen Sie Fairness: Sind Sie mit einem langsamen Fahrzeug unterwegs, dann sollten Sie an geeigneter Stelle (z. B. in Haltebuchten, auf Park- oder Seitenstreifen) Ihr Tempo zurücknehmen und anhalten, um den nachfolgenden Verkehr passieren zu lassen.

    Im Gegenverkehr!
    Kommt Ihnen ein Überholer auf Ihrer Fahrbahnseite entgegen, geben Sie sich und ihm eine Chance: Geschwindigkeit reduzieren und im Notfall abbremsen - möglichst weit nach rechts ausweichen, um einen Frontalzusammenstoß zu verhindern.

    Dennoch gilt: Besonders bei Regen und schlechter Sicht müssen langsamere Fahrzeuge so großen Abstand lassen, dass ein Überholender sich stets gefahrlos einreihen kann. Wo das Überholen verboten ist, wird durch ein entsprechendes Verkehrsschild angezeigt. Doch ein Missverständnis erzeugt immer wieder unnötige Staus. Denn einspurige Fahrzeuge (Zweiräder) dürfen auch bei angezeigten Überholverbot überholt werden.

    Übrigens:
    Wer rücksichtslos überholt, und dabei Überholte und den Gegenverkehr gefährdet, muss mit drei Punkten in Flensburg, Bußgeld und sogar Fahrverbot rechnen.